Kurvenkratzer x Spot the Dot: Eine Rebellion gegen Hautkrebs

Kurvenkratzer hat unsere Gründerin Marije Kruis interviewt und einen Artikel auf ihrer Website veröffentlicht. Lesen Sie es hier

Eine Rebellion gegen Hautkrebs

Wir haben unsere Englisch-Skills ausgepackt und mit Marije Kruis von „Spot the Dot“ über ihren schwarzen Hautkrebs, Badeanzüge mit langen Ärmeln und aktuelle Awareness Kampagnen gesprochen. Was das ABC mit Hautkrebsvorsorge zu tun hat und wie du dich am besten vor der Sonne schützen kannst.

Es ist nicht nur Mai, sondern auch „Skin Cancer Awareness Month“. Deshalb möchten wir umso mehr auf das Thema „Hautkrebs“ aufmerksam machen. Jetzt wo die Tage wieder länger sind, die täglichen Sonnenstunden mehr werden und der Sommerurlaub vielleicht bereits gebucht ist, ist es umso wichtiger sich gegenseitig zu sagen: „Schmier di ein!“ (österr. für „Creme dich ein!“) Genauso wie Marije Kruis das macht. Marije ist 39. Ihre Heimat ist die Niederlande, ihr Wohnort Wien. Beruflich kommt Marije aus den Bereichen (digitales) Marketing, Social Media, PR und Kommunikation und hat bereits für Unternehmen wie das VICE-Magazine, Lomography und Playstation Magazine gearbeitet. Warum wir das erzählen? Nun, weil sich das in „Spot the Dot“ wiederspiegelt. Mit 30 Jahren wurde bei Marije ein Melanom diagnostiziert. Im selben Jahr gründete sie den Verein „Spot the Dot“. Und der ist mindestens genauso cool, wie das VICE Magazine. (wenn nicht sogar cooler) Weiter unten mehr dazu.

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Das ist Marije. Rebellin gegen Hautkrebs und der kreative Kopf hinter „Spot the Dot“. Fotocredit: Tim Cavadini

Was ist deine Geschichte?

Vor sechs Jahren habe ich bereits in Wien gelebt, ich war viel auf Reisen, arbeitete gerade an einer Street-Art-Dokumentation. Ich fühlte mich wie mitten im Leben, es fühlte sich alles einfach perfekt an. Dann ging ich einmal mit einem Freund draußen auf einer Terrasse etwas trinken. Ich trug einen Sommerrock und er machte mich plötzlich auf ein Muttermal auf meinem Unterschenkel aufmerksam. Ich hatte es davor nie wirklich beachtet. Er fragte mich, ob es jemals von einem Dermatologen untersucht wurde, weil es dünkler aussieht, als normal. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nie an Vorsorgeuntersuchungen gedacht. Das gab mir aber zu Denken. Ich bin zum Hautarzt und habe es untersuchen lassen. Long story short: es war bereits ein weit fortgeschrittenes Melanom. Ich war kurz davor in den Urlaub zu fahren und mein einziger Gedanke war, ob ich mit den Nähten schwimmen gehen darf. Nach zwei Wochen bekam ich mein Ergebnis, mit dem ich zunächst nichts anfangen konnte. Ich dachte es war Hautkrebs, der entfernt wurde und fertig. Die Realität war aber, dass mein Leben nie wieder dasselbe sein würde, wie vorher. Und ich habe lange gebraucht, um das zu verstehen. Darauf folgte einer Achterbahn an Operationen, ich konnte für ein Jahr nicht arbeiten. Ich habe realisiert, dass nicht nur ich, sondern meine Familie, Freunde und Arbeitskollegen wenig Ahnung von den unterschiedlichen Arten und Auswirkungen von Hautkrebs hatten und viele Missverständnisse bestanden. Aus diesem Grund habe ich „Spot the Dot“ gegründet.

 Was ist ein Melanom?

Das sogenannte Maligne Melanom, auch schwarzer Hautkrebs genannt, ist ein aggressiver und bösartiger Hauttumor. Verglichen zu anderen Hautkrebsarten zählt er zu den gefährlichsten, da er weitere Organe befallen kann. Je früher er behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Mehr dazu

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Fotocredit: Tim Cavadini

Was sind deine Tipps, um sich am besten vor der Sonne zu schützen?

Nun, es gibt ein paar Dinge, die man tun kann. Mein Tipp ist, etwas zu finden, was zu einem selbst passt und einem guttut. Was ich immer als erstes empfehle, ist jeden Tag Sonnenschutzmittel mit mindestens SPF 30 zu verwenden. Wenn schon nicht wegen dem Hautkrebsrisiko, dann wenigstens wegen Falten. Das ist aber sehr individuell. Das zweite was ich empfehle, ist die Zeiten anzupassen, in denen man draußen aktiv ist, um somit die stärksten UV-Stunden zu vermeiden. Ich vermeide es z.B. zwischen Mittag und 15.00 Uhr nachmittags laufen zu gehen und gehe stattdessen früh morgens oder spät nachmittags. Zusätzlich zum Sonnenschutzmittel trage ich UV-Schutzkleidung oder eine Mütze. Es gibt mittlerweile auch sehr coole modische Badeanzüge mit langen Ärmeln. Mein Freund fährt gerne Mountainbike und auch hier gibt es viele Marken mit toller Lichtschutzkleidung.

 

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F T S. Bedeutet bei Spot the Dot „Faster Than Skincancer“. Die Erklärung dazu gibts weiter unten. Fotocredit: Manuel Peric

Wie oft sollte man zum medizinischen Screening gehen und eine Dermatologin bzw. einen Dermatologen aufsuchen?

Einmal pro Jahr ist ein guter Richtwert. Es ist in jedem Land unterschiedlich, aber in Österreich wird der Kontrolltermin, soweit ich weiß, von der Gesundheitsversicherung einmal jährlich übernommen. Also einmal pro Jahr, aber eigentlich sobald du ein auffälliges Muttermal oder eine Hautveränderung entdeckst. Das ist das allerwichtigste.
Unsere „skin check reminder“ Tool

Der Social-Media und Web-Auftritt von „Spot the Dot“ sieht sehr jung, alternativ und künstlerisch aus und unterscheidet sich stark von anderen Hautkrebs Awareness Kampagnen. Was war die Idee dahinter?

Wir fokussieren uns auf junge Menschen. Ein Grund ist, dass alle Arten von Hautkrebs zu den Top 3 der häufigsten Krebsarten bei jungen Menschen zählen. Ich habe das Gefühl, dass besonders junge Menschen sich dessen nicht bewusst sind. Ich habe gemerkt, dass Websites, Folder in Krankenhäuser usw. mich nicht angesprochen haben und auch junge Menschen nicht ansprechen. Ich versuche es lustig und positiv umzusetzen. Ich finde, so sollte es auch sein.

Instagram Spot the Dot

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Ein Foto der Kampagne über Body Positivity, (Selbst-)Liebe und dem Bewusstsein für Hautkrebs. Fotocredit: Max Manavi Huber

Mai ist “Skin Cancer Awareness Month”. Wie machst du besonders jetzt darauf aufmerksam?

Natürlich mache ich das ganze Jahr über Kampagnen, aber im Mai ist immer fokussierter. Ich mache einerseits Kampagnen mit „Spot the Dot“ und bin andererseits auch Mitglied bei der sogenannten „Global Melanoma Patient Advocacy Coalition“. Zusammen mit 27 Patientenorganisationen aus 23 Ländern der ganzen Welt, führen wir eine globale Kampagne durch. Ich berate sie hauptsächlich darüber, wie man speziell junge Menschen erreichen kann, weil ich mich darauf bei „Spot the Dot“ konzentriere. Deshalb versuchen wir kleine Projekte zu entwickeln, um junge Menschen auf der ganzen Welt zu erreichen. Wir kommunizieren in drei bis sechs Sprachen.

Für „Spot the Dot“ erstelle ich speziell in diesem Monat gerne Videoinhalte. Wir haben die Kampagne „Faster Than Skincancer“, wo wir mit AthletInnen zusammenarbeiten. Profi- aber auch HobbysportlerInnen, die etwa gerne Yoga im Park machen oder Laufen gehen. Und ich lasse sie dann über Hautkrebs sprechen. Wenn z.B. SkaterInnen im Park „Faster than Skincancer“ Merch tragen, entsteht ein Gespräch. Meine Kampagnen sollen also in erster Linie Gesprächsstarter sein. Eine Konversation ist bereits ein großer Schritt.

 

Habt ihr euch nur auf Sportbekleidung spezialisiert?

Es ist nicht nur Sportkleidung. Wir versuchen Kleidung zu entwerfen, die für jedermann ist. Das lustige ist, wir haben Radfahrsocken designt, die aber für alles andere verwendet werden. Zum „Couch Potato-ing“ aber auch zum Skaten, Segeln oder Fußball spielen. Ich habe mich früher auf Street Art Projekte, Kunstfestivals mit Musik und Graffiti Jams fokussiert. Durch Corona wurde mir klar, dass man sich immer mehr draußen bewegt, man  plötzlich bewusst versucht rauszugehen, aktiv zu sein, die Sonne auf der Haut zu spüren. Meine Kampagnen konzentrieren sich nicht auf die SportlerInnen, sondern darauf, die Sprache der Bewegung zu verwenden und sie zu einem Gesprächsstarter zu machen. “Das Wort “Fast“ bezieht sich auf die Bewegung des Körpers, aber auch darauf, wie schnell Hautkrebs das Leben beeinflussen kann.

Wer hat dieses coole Logo entworfen?

Also gemeinsam mit einer Designfirma „Beton Studio“ aus Wien, sind wir auf die Idee mit „Faster than Skincancer“ gekommen. Die Agentur hat das Logo, die Website und alles entworfen. Und es kommt wirklich gut bei Leuten an, das freut mich wirklich sehr.

 

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Und so sieht das ganze dann aus. Zumindest die neue „Faster Than Skincancer“ Kollektion. Fotocredit: Max Manavi Huber

Welche 3 Ratschläge würdest du deinem jüngeren ICH geben?

Das ich meine Haut vielleicht regelmäßiger kontrollieren soll, dass ich häufiger Sonnenschutzmittel verwende, weil ich es definitiv nicht jeden Tag verwendet habe. Aber auch im Bereich „Body Positivity“. Dass ich früher lernen hätte sollen, meinen Körper zu lieben. Ich denke, das kennt jeder, wenn man älter wird und sich alte Bilder ansieht und sich denkt: „Wow, da sah ich toll aus!“, und in dem Moment, hast du dich gar nicht so gefühlt.

3 Fragen an dein jüngeres ICH?

Ich bin nicht eine Person, die oft in die Vergangenheit blickt. (lacht) Mir fällt gerade nur eine ein. Warum machst du dir so viele Sorgen über die kleinen Dinge im Leben?

ABCDE-Regel

A = Assymetrie. Sind deine Muttermale rund, oval oder doch assymetrisch bzw. ungleichmäßig? Wenn letzteres der Fall ist: ab zur Hautärztin oder zum Hautarzt mit dir!

B = Begrenzung. Harmlose Pigmentflecken und Muttermale sind für gewöhnlich glatt und scharf begrenzt. Wenn du Muttermale entdeckst, die ausgezackt, verwaschen, rau oder uneben sind, dann solltest du dringend eine/n Dermatolog*in aufsuchen.

C = Colour. Sind deine Muttermale mehrfarbig? Haben sie dunkle, helle, rosa, graue oder sogar schwarze Stellen? You know where to go.

D = Durchmesser. Ja, auch die Größe spielt eine Rolle. Wenn  dein Muttermal größer als fünf Millimeter ist oder einem Halbmond ähnelt: ärztlichen Rat einholen.

E = Erhabenheit. Hierbei geht es um die „Höhe“ des Muttermals, also wie weit es über das Hautniveau hinausragt. Sind es mehr als einen Millimeter, könnte das ein weiterer Hinweis auf Hautkrebs sein.

Was war deine größte Herausforderung bisher?

Ich denke, eine große Herausforderung war und ist es, sich nicht zu viele Sorgen um die Zukunft zu machen. Ich habe diese ständige dunkle Wolke über mir, dieses Risiko, dass der Krebs zurückkommt und ich wieder krank werde. Es ist wichtig nicht zuzulassen, dass das mein tägliches Leben beeinflusst.

“Sunscreen, sunscreen, sunscreen, spot your dots and enjoy every day.”
Marije Kruis

Wie hat dich dein Weg verändert?

Das ist vielleicht ein bisschen klischeehaft. Meine größte Erkenntnis als ich krank wurde – besonders in den wenigen Wochen bevor ich meine Ergebnisse bekam und ich nicht wusste, wie lange ich leben werde, war: alles, was mir wirklich wichtig ist, sind die Menschen, die ich liebe. Ich schätze meine Familie und Freunde so sehr. Man muss aufhören, sich um so viele kleine Probleme zu kümmern, sondern sich auf die Menschen konzentrieren, die einen lieben. Ein weiteres Klischee, was aber so wahr ist, ist zu versuchen mehr im Moment zu sein, die Dinge mehr zu genießen und dass nichts selbstverständlich ist. Alles ist ein Geschenk. Ich möchte die Dinge, die ich getan oder nicht getan habe, nicht bereuen.

 

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Fotocredit: Tim Cavadini

Was würdest du anderen raten?

In sehr sehr kurz: “Sonnencreme, Sonnencreme, Sonnencreme, “spot your dots” und jeden Tag genießen. Oft sagen die Leute: “Oh, ich kann also nie mehr in der Sonne sein?” Nein, es geht nicht darum, jemandem die Freude an der Sonne zu nehmen. Ich möchte nicht, dass sich der Sommer nur um Sorgen dreht. Ich möchte immer noch, dass man alles genießt, sich erfreut draußen zu sein. Man kann immer noch das Gefühl des Sommers auf der Haut spüren. Man sollte einfach nur Sonnencreme benutzen.

Jetzt bleibt uns nur noch zu sagen: Schmier di ein und Spot your dots!

Danke Kurvenkratzer Magazin

#spotthedot #skincancerawareness